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4. Verbreitungsmöglichkeiten der Bakteriose
und vorbeugende Hygienemaßnahmen
4.1. Stecklingsernte
Die größte Übertragungsgefahr für XCP besteht beim Stecklingsschnitt bzw. Pinzieren mit
den Fingernägeln durch die direkte Übertragung von infiziertem Saft von Pflanze zu Pflanze.
Das Brechen von Stecklingen ist nicht zu empfehlen, weil dabei Pflanzensaft unkontrolliert
verspritzt werden kann.
Maßnahmen:
- Desinfektion der Stecklingsmesser (Alternativen):
- 70 % Alkohol
handelsüblichen 98 % Alkohol entsprechend verdünnen und verschlossen aufbewahren, da Alkohol sofort verdunstet.
- Menno-Quick
- Menno-Florades
Die Messer sind stets scharf zu halten, damit eine möglichst glatte Schnittfläche entsteht.
Zur gründlichen Desinfektion der Schnittfläche müssen die Messer mindestens 15 Sekunden
(besser: 1 Minute!) eingetaucht werden.
Es empfiehlt sich, mindestens 3 Messer (unterschiedlich gekennzeichnet) im "rotierenden"
Einsatz zu verwenden. Dabei stehen immer 2 Messer im Behälter mit Desinfektionsmittel.
Dieses ist mehrmals täglich zu erneuern. Desinfektion der Hände nicht vergessen!
- Desinfektion der Hände:
- 70 % Alkohol
Die Hände müssen vollständig mit Alkohol eingerieben werden. Bewährt hat sich dabei
das Tragen von Einmal-Handschuhen (z.B. OP-Handschuhe) zum Schutz der Haut vor
Austrocknung durch den Alkohol. Eine Sprühflasche erleichtert die Anwendung und
verhindert das Verdampfen des Alkohols.
- Qualyman ASD
- Venno-Terra-Man
Beide Produkte können ohne Handschuhe verwendet werden, da sie die Haut rückfetten.
Ein "absolutes Muß" beim Umgang mit Mutter- pflanzen sind die konsequente Desinfektion
von Messern + Händen!
4.2. Gießwasser und gießen
XCP-Bakterien können sich an nassen und feuchten Stellen lange am Leben erhalten.
Daher erfolgt die schnellste Ausbreitung der Bakterien im Gewächshaus über das Wasser.
Maßnahmen:
- einwandfreies Gießwasser verwenden
- kein Gießwasser einsetzen, das mit infizierten Pflanzteilen in Berührung gekommen war
- während der gesamten Kulturzeit regelmäßig gießen, aber nicht zu feucht kultivieren
- Pflanzen nach kräftigem Angießen nicht zu naß halten, Wurzelvernässung vermeiden!
- für schnelles Ablaufen des Gießwassers sorgen
- stehende Nässe während der gesamten Kultur vermeiden, deswegen unter die Grundbeetfolie
zur Drainage eine Kiesschicht ausbringen
- möglichst vormittags gießen (bei Sonne), bei trübem Wetter gleichzeitig heizen und lüften,
damit das Blattwerk rasch abtrocknet
- nicht mit starkem Strahl gießen, weil umherspritzende Wassertropfen von kranken Pflanzen
oder verseuchtem Boden die Krankheitsverbreitung fördern.
- Anstaubewässerung in Mutterpflanzenkulturen dehnt Befallsherde sehr rasch aus,
insbesonders wenn das Anstauwasser wiederholt verwendet wird!
- Gießschläuche nicht auf dem Boden liegen lassen, sondern aufhängen
- Gießschläuche aus Häusern mit infizierten Beständen nicht in Häusern mit gesunden
Pflanzen verwenden!
4.3. Kultursubstrat und Kompost
Für die Mutterpflanzenkultur sollten ausschließlich industriell hergestellte - und damit
bakteriologisch einwandfreie - Fertigerden verwendet werden.
Wird stattdessen ein betriebseigenes Substrat hergestellt, sollte dieses unbedingt vor der
Verwendung gedämpft oder chemisch entseucht werden (z.B. mit Terabol oder Basamid).
In feuchter Landerde kann XCP mindestens 3 Monate überleben!
Dasselbe gilt für Kompost: neueste Untersuchungen zeigen, daß XCP Bakterien - eingebracht
in den Kompost durch infizierte Pflanzenreste - über 2 Jahre () in den Randzonen des
Komposthaufen überleben können.
Im Innenbereich des Komposthaufens können Temperaturen bis 70 °C auftreten. Bei
Temperaturen über ca. 50 °C kann XCP nicht überleben.
Maßnahmen:
- sorgfältiges Umsetzen der Kompostmieten kann das XCP-Infektionsrisiko bei der
Verwendung von Kompost reduzieren
- Dämpfen der Komposterde ist dennoch immer ratsam!
- Erdlager oder Komposthaufen nicht mit Herbiziden spritzen, weil einige der Wirkstoffe noch
nach 1 Jahr die Kulturpflanzen schädigen können und damit unverkäuflich machen.
4.4 Kulturgefäße, Kisten,
Transportwagen und Geräte
Da XCP-Bakterien über längere Zeiträume auch auf trockenen Flächen überleben, können
Kulturgefäße, Kisten, Transportwagen und Geräte auch kontaminiert sein.
Maßnahmen:
- Substratreste auf Tischen, Stellagen etc. können Infektionsträger sein
vor der Desinfektion abkehren, um eine vollständige Entseuchung zu gewährleisten.
- gebrauchte Töpfe, Multi-Topfplatten etc. zuerst von Substratresten reinigen, dann
desinfizieren oder dämpfen (ca. 30. Min. bei 90 - 100 °C)
- bitte beachten: Tontöpfe nach der Desinfektion unbedingt wässern, damit Reste des
Desinfektionsmittels ausgeschwemmt werden und nicht die Pflanzen schädigen
- Fabrikneue Töpfe und Multi-Topfplatten müssen nicht desinfiziert werden
- bei Tauchbehandlungen die Verschmutzung des Tauchbeckens möglichst gering
halten! Die Wirksamkeit des Desinfektionsmittels regelmäßig mit Teststreifen überprüfen!
... damit nicht anstatt einer Bekämpfung eine Verbreitung der Welkekrankheit erfolgt.
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